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Multiple Sklerose - stationäre Behandlung

Sämtliche Untersuchungs- und Behandlungsoptionen zur Diagnose und Behandlung der Multiplen Sklerose stehen in unserer Klinik zur Verfügung. Dazu zählen die bildgebenden Verfahren (u. a. 3T-MRT), die elektrophysiologischen Untersuchungen (VEP, AEP, SEP), Perimeteruntersuchungen sowie laborchemischen Analysen von Blut und Liquor (Lumbalpunktion). 

Wir führen eine stationäre Behandlung sowohl bei Verdacht auf eine Erstmanifestation einer entzündlichen ZNS-Erkrankung als auch bei der Behandlung eines akuten MS-Schubes durch.

Wir sind spezialisiert auf die Eskalation von Therapien bei MS. So treffen wir mit den Patienten und Angehörigen bei schweren Verlaufsformen die Entscheidung für eine Blutwäsche (Immunadsorption oder Plasmapherese) und führen diese in unserer Einrichtung durch.

Weiterhin erfolgt in unserer Einrichtung die Erstgabe von bestimmten Therapeutika der Basistherapie (z. B. Natalizumab, Fingolimod), die ebenfalls die Spezialisierung der Ärzte auf diesem Gebiet erfordert.

Die Multiple Sklerose gilt als Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems und wird seit Anfang der siebziger Jahre immunsuppressiv behandelt. Diese Behandlung setzte sich aber aufgrund der traditionellen  Vorstellung der Mehrheit der Neurologen, die MS sei nicht behandelbar, nicht durch. Sowohl in den alten als auch den neuen Bundesländern wurden nur 10 % der MS Kranken immunsuppressiv behandelt.

Erst seit 1995 gewann mit Zulassung der Beta-Interferone die Behandlung der MS an Bedeutung und setzte sich zunehmend durch, wobei nach wie vor große regionale Unterschiede in der Behandlung der MS-Kranken bestehen.

In den USA werden 60 % der MS-Kranken, die eine Indikation zur Behandlung der schubförmigen MS haben, mit Immunmodulatoren behandelt, in  Deutschland nur 35 %.

Die heute zugelassenen Substanzen zur MS-Therapie sind Beta-Interferone, Glatirameracetat, Azathioprin, Natalizumab, Alemtuzumab, Fingolimod, DMF und Mitoxantron, und als second line-Empfehlungen Immunglobuline und Cyclophosphamid. Zu den sog. Rescue-Therapien zählen heute Rituximab und die hämatologische Stammzelltherapie. 

Die mesenchymale Stammzelltherapie befindet sich in der klinischen Entwicklung. 

Die Jahrestherapiekosten für diese modernen Hochpreistherapien liegenzwischen 15.000 und 30.000 Euro.

Mit der Zulassung von Natalizumab, einem monoclonalem Antikörper, im Jahr 2006 begann der Einzug der sog. Biologicals in die Immuntherapie der MS. Der immunologische Wirkmechanismus dieser Substanzen, von denen derzeit mehr als 10 bereits sich in der klinischen Prüfung befinden, beinhaltet ungewisse Risiken, so z. B. mitunter tödliche Viruserkrankungen des Gehirns. Aufgrund dieser potentiellen Gefahr empfiehlt der wissenschaftliche Beirat der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, solche Substanzen nur in Zentren einzusetzen, die spezialisiert in der Therapie der Multiplen Sklerose sind, d.h. mindestens 300 Fälle pro Jahr betreuen. Diese Regelzahlen erreichen in der Regel nur Spezialambulanzen an Kliniken oder große Gemeinschaftspraxen.

Weitere neue selektive Immunmodulatoren wie Alemtuzumab erfordern aufgrund des möglichen Nebenwirkungsprofils ebenfalls die Versorgung in Zentren, die über die Erfahrung und technische Möglichkeiten verfügen, um Komplikationen zu erkennen und im Einzelfall auch intensivmedizinisch zu beherrschen. Hier wird seitens der Fachgesellschaften empfohlen, diese Therapien nur in Zusammenarbeit mit sog. Kompetenzzentren durchzuführen.

Neben der langfristigen Immuntherapie erfordert der Verlauf der Erkrankung bei der Mehrzahl der Patienten die Therapie des akuten Schubes. Hier besteht die Empfehlung der intravenösen Therapie mit hochdosierten Corticosteroiden in der Regel Methylprednisolon über 5 Tage (1 g Methylprednisolon intravenös), bei fehlenden Erfolg 5 Tage hintereinander 2 g intravenös, und bei weiterem Versagen der Therapie der Plasmaaustausch oder Immunadsorption. Je nach Schubsymptomatik erfolgt begleitend Physio-, Ergotherapie oder Logopädie.

Während die Immuntherapie das Schicksal der MS-Betroffenen bezüglich einer  sich entwickelnden Behinderung  bestimmt, ist die Lebensqualität der Betroffenen ganz entscheidend abhängig von der Qualität der symptomatischen Therapie entsprechend den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Auch hier sind neue Substanzen zugelassen, die ebenfalls eine besondere Erfahrung erfordern (z. B  Fampridine oder Sativex®).

Die Therapie mit Botulinumtoxin bei schwerer Spastik und Blasenstörungen ist hochspezialisierten Zentren wie unserem vorbehalten, ebenso die regelmäßige Gabe von intrathekalen Corticosteroiden.

Blasenstörungen können durch hohe Restharnmengen schwere septische Krankheitsbilder hervorrufen, aber auch die sog. überaktive Blase kann zu einer mangelnden Blasenkapazität führen.

Eine unzureichend behandelte Spastik führt zu schwersten Kontrakturen und tiefen Dekubitalulcera, die durch Inkontinenzprobleme begünstigt werden.

Schluckstörungen geben Anlass zu wiederholten schwersten septischen Pneumonien und müssen erkannt und gegebenenfalls durch Nahrungsanpassung oder künstliche Ernährung verhindert werden.

Atemstörungen begünstigen nicht nur pulmonale Infekte, sondern können durch nächtliche Apnoephasen die Tagesmüdigkeit verstärken.

Die hohe Sturzgefahr durch die motorische Behinderung  birgt ein hohes Frakturrisiko in sich, begünstigt durch eine oft schwere Osteoporose. 

Ein hohes Risiko für eine Osteoporose besteht durch Immobilität, Cortison-Therapie, Vitamin D Mangel, bei Frauen durch vorzeitige Menopause infolge der cytostatischen Therapie und die traditionelle Empfehlung eine Hormonersatztherapie zu vermeiden. Multiple Spontanfrakturen ohne adäquates Trauma verstärken die schon bestehenden motorischen Einschränkungen.

Patienten mit einem akuten MS-Schub können sich jederzeit in unserer (interdisziplinären) Rettungsstelle vorstellen, die 24 Stunden am Tag mit einem neurologischen Dienst besetzt ist.

Für eine geplante stationäre Behandlung benötigen Sie eine Einweisung Ihres Hausarztes oder niedergelassenen Neurologen.

Terminvereinbarung
Andrea Andreatta
Tel.: 030 4994-2388
Fax: 030 4994-2389
E-Mail: sekretariat-neurologie@jkb-online.de