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Der akute Gefäßnotfall

Gefäßkrankheiten verlaufen häufig als chronische, schleichende Prozesse. Allerdings kommt es immer wieder zu akuten, dramatischen Gefäßverstopfungen. Dabei können sowohl die Arterien wie auch die Venen betroffen sein.

Plötzlich eintretende Arterienverschlüsse können zu extremen akuten Schmerzen und zu einem sog. "kalten Bein" mit Blässe bis hin zu Lähmung und Extremitätenverlust (Amputation) führen. Dabei kann es durchaus möglich sein, dass Diabetiker auf Grund einer Neuropathie (Nervenschaden) gar keinen Schmerz bemerken.

Venöse Thrombosen verursachen typischerweise überwärmte und gerötete, in der Regel schmerzhafte Schwellungen eines Beines (Unter- und/oder Oberschenkel, seltener auch eines Armes), indem sie den Rückstrom des Blutes zum Herzen blockieren und zu einer  Blutstauung führen. Die Beschwerden nehmen über Tage allmählich zu, manchmal kann es aber auch zu rasch einsetzenden, akuten schmerzhaften Schwellungen kommen. Bei älteren Menschen können Schwellung und Schmerzgefühl auch ganz fehlen.

Der akute arterielle Verschluss eines Blutgefäßes kann thromboembolisch, also durch eine Verstopfung durch ein verschlepptes Gerinnsel verursacht sein. Häufige Gründe sind z. B. Herzrhythmusstörungen, aber auch Verkalkungen der Hauptschlagader (Atherosklerose). Auch bei schwerer Atherosklerose der peripheren Gefäße, beispielsweise beim so genannten „Raucherbein“ oder beim langjährigen Diabetes mellitus, können akute Gefäßverschlüsse auftreten.

Venösen Thrombosen liegt häufig eine vererbbare, genetische Ursache zugrunde. Übergewicht, Rauchen, Bewegungsmangel und Immobilisation (Operationen, Bettlägerigkeit, Langstreckenreisen) und die Einnahme der Pille zur Verhütung verschlechtern die Fließeigenschaften des Blutes und können somit (vermeidbare) Auslöser von Thrombosen sein. Bei älteren Menschen kann eine Thrombose auch durch eine Tumorerkrankung ausgelöst sein.

Beim akuten Arterienverschluss besteht eine hochgradige Gefährdung für den Verlust der Extremität innerhalb von Stunden. Deshalb besitzt eine rasche Wiederherstellung der arteriellen Strombahn oberste Priorität. Es ist eine sofortige Einweisung über die Leitstelle der Feuerwehr (112) in die Rettungsstelle erforderlich, möglichst eines Krankenhauses mit angeschlossener Gefäßmedizin (Katheterplatz, Gefäßchirurgie). Die Ärzte dort verordnen sofort Heparin und ASS zur Blutverdünnung. Nach Überprüfung der Diagnose mittels Duplexsonographie und Angiographie (CT, MRT oder DSA) wird dann rasch über die "Rekanalisationsmethode" entschieden. Das verstopfte Blutgefäß kann mittels einer medikamentösen Auflösung (Fibrinolyse), durch eine Absaugung des Gerinnsels (Thrombektomie), durch eine Ballonaufdehnung mit Hilfe eines Katheters (Dilatation, PTA) oder gefäßchirurgisch in einer Notfalloperation wieder geöffnet werden. Bei der Ballonaufdehnung kann ggf. direkt eine kleine Hülse aus Metallgewebe, ein so genannter „Stent“,  als Gefäßstütze in das aufgeweitete Gefäß eingesetzt werden (Stentimplantation).

Venenthrombosen können langfristig zum so genannten "postthrombotischen Syndrom" mit anhaltender Schwellung und Schweregefühl des betroffenen Beines, Krampfadern und nicht heilenden Geschwüren am Unterschenkel (Ulcera) führen. Betroffene sollten deshalb tagsüber konsequent medizinische Kompressionsstrümpfe tragen. Auch häufigeres Hochlegen des betroffenen Beines wirkt sich günstig aus.

Zur Vermeidung einer lebensbedrohlichen Lungenembolie muss der venöse Notfall einer raschen Behandlung zugeführt werden. Durch Verschleppen von Gerinnseln mit der Blutstrombahn kann nämlich aus einer Thrombose eine Lungenembolie entstehen. Lungenembolien sind potentiell lebensbedrohlich und können in einem Herz-Kreislaufversagen enden, wenn nicht rechtzeitig Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden. Daher sollten Sie bei Verdacht auf eine Venenthrombose zeitnah einen Arzt aufsuchen. Wenn dann auch noch Atemnot, Brustschmerzen oder gar Kaltschweißigkeit mit Herzasen hinzukommen, sollten sie sofort die Feuerwehr alarmieren (112) und eine Rettungsstelle aufsuchen, wo man die geeigneten Maßnahmen einleiten wird.

Die schnellste Diagnosesicherung der Beinvenenthrombose erfolgt mit der Duplexsonographie, die der Lungenembolie mit der Computertomographie. Die Behandlung erfolgt durch eine sofortige Blutverdünnung (Antikoagulation), bei schweren lebensbedrohlichen Lungenembolien zusätzlich mit einer Fibrinolyse (medikamentöse Auflösung des Gerinnsels). In seltenen, besonders schweren Fällen kann auch eine Zerkleinerung des Gerinnsels zur Anwendung kommen (Thrombusfragmentation mit dem Katheter). An die Akutbehandlung schließt sich dann eine längere Phase (Monate bis Jahre) einer Blutverdünnung an (Antikoagulation).

Auch erkrankte Lymphgefäße neigen zu akuten, sehr schmerzhaften Komplikationen (akute Lymphangitis, Erysipel), die unverzüglich mit den richtigen Antibiotika behandelt behandelt werden müssen.

Die Behandlung im Jüdischen Krankenhaus ist 24 Stunden an allen Tagen des Jahres in unserer Rettungsstelle möglich. Hier erfolgen nach Abstimmung mit den Angiologen, Radiologen und Gefäßchirurgen unseres Gefäßzentrums eine rasche Diagnose und die sofortige Einleitung der notwendigen Therapie. Alle auf die Behandlung von Blutgefäßen spezialisierten Fachdisziplinen sind permanent einsatzbereit und sämtliche modernen diagnostischen und therapeutischen Verfahren rund um die Uhr verfügbar. Für den Notfall existieren ein neuer Operationssaal und eine moderne Intensivstation. Die Weiterbehandlung findet auf der angeschlossenen interdisziplinären Gefäßstation statt, wo die Patienten in täglichen gemeinsamen Visiten versorgt werden.