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Erkrankungen des Magens

Der Magen ist eine sackartige Ausweitung des Verdauungskanals zwischen Speiseröhre und Zwölffingerdarm. Er wird in verschiedene Bereiche unterteilt: Oben, an der Eintrittsstelle der Speiseröhre, liegt der Magenmund, Kardia genannt. Links davon liegt der Magengrund (Fundus). Nach unten hin schließt sich der Magenkörper (Korpus) an. Er geht in den Magenausgang (Antrum oder Pförtnerhöhle und Pylorus oder Pförtner) über, der von einem Ringmuskel gebildet wird.

Funktion

Das Fassungsvermögen des menschlichen Magens ist individuell unterschiedlich und beträgt etwa 1,5 l. In diesem Hohlraum wird der Nahrungsbrei mit dem Magensaft vermengt, der im Wesentlichen aus dem eiweißspaltenden Enzym Pepsin und Salzsäure besteht. Der Magen bringt auch den Nahrungsbrei auf die gleiche Temperatur, außerdem schichtet und speichert er den Nahrungsbrei. Im Ruhezustand sondern die Drüsen etwa 10 ml Magensaft pro Stunde ab. Bei Nahrungsaufnahme kann die Bildung von Magensaft auf bis zu 1000 ml pro Stunde erhöht werden. Die Bildung wird sowohl durch Nerven-Impulse (vor allem vor der Nahrungsaufnahme) als auch durch Hormone gesteuert. Durch Muskelkontraktionen (Peristaltik) wird der Nahrungsbrei weiter zum Pförtner transportiert. Dieser bildet als Sphinkter (Schließmuskel) einen Verschluss zwischen Magen und Darm und kann sich für den Durchtritt des angedauten Speisebreis (Chymus) etwa 13 mm weit öffnen. Dieses geschieht regelmäßig, um den Nahrungsbrei gleichmäßig in den Zwölffingerdarm weiterzuleiten.

Erkrankungen des Magens

Es werden nach dem zeitlichen Verlauf zwei Arten der Gastritis unterschieden: die akute und die chronische Gastritis. Die chronische Gastritis besteht jahrelang und macht dem Patienten keine Beschwerden. Ein chronischer Entzündungsprozess führt zu Veränderungen der Schleimhaut und damit zu Veränderungen in der Arbeit des Magens. Die akute Gastritis kann plötzlich und heftig verlaufen. Es treten Übelkeit, Erbrechen, Völlegefühl sowie allgemeine Schwäche und Appetitlosigkeit auf. Auffällig kann das Auftreten von Mundgeruch sein. Auch bei dieser Krankheit können Protonenpumpenhemmer zur Behandlung eingesetzt werden. Eine andere Einteilung von Gastritis ist nach Ursache:

  • A-Gastritis = atrophische (Autoimmun-) Gastritis
    B-Gastritis = bakterielle Gastritis durch Helicobacter pylori
    C-Gastritis = chemische Gastritis beispielsweise durch Alkohol- und Nikotinmissbrauch sowie durch NSAR wie z. B. Diclofenac oder Acetylsalicylsäure
  • Stauungsgastritis bei schwerer Rechtsherzinsuffizienz oder Leberzirrhose

Geschwür in der Magenschleimhaut, das die gesamte Magenwand durchdringen und zur Magenperforation oder Magenblutung führen kann. Ein Ulkus entsteht durch den Angriff der Magensäure auf die z. B. durch eine Helicobacter-pylori-Infektion vorgeschädigte Magenschleimhaut. Die Behandlung des unkomplizierten Ulcus ist heute die so genannte Eradikationstherapie. Die blutenden Magengeschwüre werden in der Regel mittels Gastroskopie behandelt. Nur komplizierte Geschwüre, beziehungsweise Geschwüre, die die Magenwand durchbrechen, müssen mittels Operation behandelt werden.

Als Risikofaktoren sind bestimmte Ernährungsgewohnheiten, chronische Gastritis, Zigarettenrauch und Alkoholkonsum identifiziert. Das Risiko an Magenkrebs zu erkranken ist bei erblicher Belastung erhöht (was vermutlich mit der erblichen Übertragung des Bakteriums Helicobacter pylori zusammenhängt) – es besteht ein 3,7-fach erhöhtes Risiko für Verwandte ersten Grades. Menschen mit der Blutgruppe A sind häufiger betroffen. Die Ursache ist unbekannt. Die Therapie des Magenkarzinoms erfolgt zurzeit hauptsächlich operativ, etwa mittels Gastrektomie.

Als Folge des Alkoholismus entstehen Veränderungen der Magenschleimhaut, portale Gastropathie genannt. Als Folge der Leberveränderungen kommt es zu Veränderungen der Magenvenen. Sie vergrößern sich und werden als „Fundusvarizen“ bezeichnet. Die Therapie hier ist die Alkoholabstinenz, die Gabe von Betablockern und die Verödung mit Histoacryl-Klebstoff.

Die häufigsten gutartigen Veränderungen sind so genannte Korpusdrüsenzysten und hyperplastische Polypen. Allerdings müssen diese Geschwulste ab einer bestimmten Größe endoskopisch abgetragen werden. Zurzeit besteht die Empfehlung zur Entfernung für alle Raumforderungen über 2 cm Durchmesser, da man sich nie sicher sein kann, ob sich nicht doch in den großen Geschwulsten bösartiges Gewebe entwickelt haben könnte.

Ein Reizmagen – auch „funktionelle Dyspepsie“ oder „nichtulzeröse Dyspepsie“ (NUD) genannt – definiert sich über wiederkehrende oder chronische Schmerzen oder ein Unwohlsein im oberen Bauchbereich, ohne dass organische Ursachen gefunden werden können. Magenkrämpfe, Brechreiz, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Sodbrennen, Übelkeit, Blähungen, krampfartige Sensationen und Durchfall können auftreten. Als Ursache werden ein verändertes Schmerzempfinden, eine veränderte Magenmotilität und psychosomatischen Gründen werden als Ursache angesehen.

Unter seltenen Befunde werden alle oben nicht beschriebene Befunde zusammengefasst. Als ein Beispiel seien die Angiodysplasien genannt. Es handelt sich um eine Gruppe von Auffälligkeiten der Gefäße im Magen, die im Rahmen von angeborenen (Morbus Osler) oder erworbenen Krankheiten (Niereninsuffizienz) auftreten können.

Untersuchungsmöglichkeiten

Die ergiebigste Untersuchungsmethode des Magens ist die Gastroskopie (Magenspiegelung). Bei der Magenspiegelung wird oft ein Schnelltest zum Nachweis einer Helicobacter-Besiedlung entnommen. Außerdem sind gezielte Biopsien zur histologischen Untersuchung leicht möglich. Die Röntgenuntersuchung des Magens, die vor dem Aufkommen der Gastroskopie betrieben wurde, wird heute nicht mehr routinemäßig durchgeführt, da sie sehr unsichere Ergebnisse produziert. Die endoskopische Ultraschalluntersuchung des Magens ist bei Magenkrebs indiziert. Zur Bestimmung von Helicobacter-Bakterien wird zunehmend ein Atemtest durchgeführt.