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Erkrankungen des Darms

Unser Dünn- und Dickdarm als eines der größten menschlichen Organsysteme  und als eigentliches Verdauungsorgan kann durch entzündliche oder tumoröse aber auch durch infektiöse und nicht-infektiöse Erkrankungen betroffen werden.

Wenn Darmprobleme länger anhalten, liegt häufig eine ernsthafte Darmerkrankung vor. Um Erkrankungen des Darms zu erkennen, gibt es verschiedene gastroenterologische Untersuchungen. Treten Darmbeschwerden bzw. Symptome wie Durchfälle, Bauchschmerzen, starke Gewichtsabnahmen oder andere Auffälligkeiten des Stuhlgangs über längere Zeit auf, müssen diese medizinisch abgeklärt und behandelt werden.

Bei einer Darmerkrankung leiden Patienten häufig unter folgenden Symptomen:

  • Stuhlunregelmäßigkeiten wie Durchfall oder Verstopfung
  • Schmerzen bzw. Krämpfe im gesamten Bauchbereich
  • Blähungen in Kombination mit Blut im Stuhl oder vermehrten Schleimauflagerungen

Darminfektionen gehören zu den häufigsten Darmerkrankungen. Krankheitserreger und Parasiten, die z.B. über verdorbenes Essen oder verschmutztes Trinkwasser aufgenommen werden, können durch Giftstoffe die Darmschleimhaut schädigen. Durchfall, Bauchschmerzen und Appetitlosigkeit sind die Folge.

Betrifft die Entzündung ausschließlich den Wurmfortsatz, spricht man von einer Blinddarmentzündung. Sie kann durch Krankheitserreger oder Fremdstoffe ausgelöst werden. Typische Beschwerden sind Schmerzen in der Nabel- oder Magengegend, Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit und Fieber. In schweren Fällen muss der Wurmfortsatz operativ entfernt werden.

Unter chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED; englisch inflammatory bowel disease, IBD) versteht man wiederkehrende (rezidivierende) oder kontinuierliche entzündliche Erkrankungen des Darms. Die beiden häufigsten Vertreter sind die Colitis ulcerosa und der Morbus Crohn, die bereits bei Patienten in jungen Jahren auftreten können. Nicht selten vergehen jedoch Wochen oder sogar Monate, bis die Diagnose gestellt wird. Die Schilderung der Beschwerden, der körperliche Untersuchungsbefund und Laboruntersuchungen unterstützen die Verdachtsdiagnose. Diese wird dann durch Spiegelungen des Magen-Darm-Trakts mit Entnahme von Gewebeproben gesichert. Ergänzend können radiologische Untersuchungen erforderlich sein. Die rasche Diagnosestellung ist wichtig, um früh mit einer wirksamen Behandlung beginnen zu können und Komplikationen zu verhindern. Unterschiedliche Medikamente werden eingesetzt, um Beschwerden zu lindern oder zu beseitigen und zur Abheilung der entzündlichen Schleimhautveränderungen beizutragen. Die Behandlung wird individuell ausgerichtet, d.h. der Schweregrad der Symptome, die Begleiterscheinungen, der Krankheitsverlauf, die bisherige Therapie werden bei jedem Patienten bewertet. Rechtzeitig und interdisziplinär muss entschieden werden, ob eine Operation erforderlich wird.
Seltener Ursache für chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sind die kollagene und lymphozytäre Colitis als Formen der mikroskopischen Colitis, die nur histologisch diagnostiziert werden kann.

Die Divertikulitis ist eine Erkrankung des Dickdarmes, bei der sich in Ausstülpungen der Schleimhaut (Divertikel) eine Entzündung bildet. Das gehäufte Vorkommen solcher Ausstülpungen heißt Divertikulose und stellt die Vorstufe der Divertikulitis dar. Am häufigsten, das heißt in 95 Prozent der Fälle, ist das Colon sigmoideum betroffen (Sigmadivertikulitis – auch als „Linksseiten-Appendizitis“ bezeichnet). In einem Prozent kann eine Divertikulitis im Colon transversum und in je zwei Prozent im Coecum und im Colon ascendens auftreten. In der Regel handelt es sich bei den Sigmadivertikeln um sogenannte Pseudodivertikel, d. h. die Darmschleimhaut stülpt sich durch Lücken der muskulären Wand durch. Die Behandlung mit Antibiotika erfolgt in der Regel im Krankenhaus, nur bei leichten Divertikulitiden kann eine ambulante Antibiotikabehandlung in Betracht gezogen werden. Außer Therapie mit Antibiotika und initiale Nulldiät mit parenteraler Ernährung oder flüssige Ernährung kann sich durch Ruhigstellung des Darmes ggf. das Befinden des Patienten bessern. Bei Gefahr eines Rezidives mit Komplikationen (wie z. B. einer Perforation und dann kotiger Peritonitis) besteht, wird insbesondere bei rezidivierender Divertikulitis eine Resektion des betroffenen Darmabschnittes im entzündungsfreien Intervall empfohlen. Kommt es zu Komplikationen wie einer Perforation oder einer starken Blutung, ist meist eine sofortige Operation erforderlich. Im Falle einer gedeckten Perforation, d. h. einer Perforation, die von benachbarten Organen abgedichtet wird, genügt meist eine konservative Therapie. Im Intervall sollte auch eine Darmspiegelung (Koloskopie) erfolgen, um andere – insbesondere bösartige – Erkrankungen auszuschließen.

Der Begriff Darmkrebs bezeichnet einen bösartigen Tumor im Dickdarm oder Mastdarm. Bösartige Tumoren im Dünndarm sind im Gegensatz dazu äußerst selten.

Folgende Fachbegriffe werden benutzt:

•    Kolonkarzinom bedeutet Dickdarmkrebs
•    Rektumkarzinom bedeutet Mastdarmkrebs
•    Kolorektales Karzinom fasst Dickdarm- und Mastdarmkrebs zusammen

Darmkrebs entwickelt sich aus der Darmschleimhaut. Aufgrund dessen gehört das Kolorektale Karzinom zu den so genannten Adenokarzinomen (lat. Adeno bedeutet Drüse).

Darmkrebs tritt in den verschiedenen Abschnitten des Dickdarms unterschiedlich häufig auf. Mehr als die Hälfte aller Darmtumoren findet man im letzten Darmabschnitt, also im Mastdarm und dem angrenzenden Sigma.

Darmkrebs gehört weiterhin zu den häufigsten Tumorerkrankungen. In Deutschland erkrankten 2014 immer noch mehr als 60.000 Personen (33.000 Männer und 26.000 Frauen), ca. 25.000 sterben jedes Jahr an Darmkrebs. Grundsätzlich gilt: Jeder kann in jedem Alter Darmkrebs bekommen. Bestimmte Personengruppen aber haben ein besonders hohes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.

Typische Symptome wie Stuhlunregelmäßigkeiten, Bauchschmerzen, Blut im Stuhl und Gewichtsabnahme treten meist erst dann auf, wenn der Krebs bereits ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat. Behandlungsmöglichkeiten und Prognose hängen vom Stadium der Erkrankung ab, d. h. davon wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Daher kommt der Früherkennung eine besondere Bedeutung zu.

Darmkrebs entsteht aus gutartigen Vorstufen, den Polypen oder Adenomen, die bis zur Entartung ca. 10-15 Jahre brauchen. Diese gutartigen Vorstufen lassen sich durch die Darmspiegelung erkennen. Spezifische Stuhltests können Hinweise auf Vorstufen liefern, die dann durch eine Darmspiegelung abgeklärt werden.

Die Entfernung der Vorstufen bedeutet Krebsverhinderung!

Diese Erkenntnis hat zur Einführung spezifischer Vorsorge- und Früherkennungsprogramme geführt, die allen Versicherten ab dem 50. Lebensjahr zur Verfügung stehen. Die Vorsorgedarmspiegelungen werden durch die niedergelassene Kollegen durchgeführt.

In unserer Endoskopie steht modernste Technik zur Verfügung, um selbst kleinste Polypen frühzeitig zu erkennen. Hochauflösende Videobilder (HDTV) werden ergänzt durch Färbetechniken. Bei viele Patienten, die uns zur Koloskopie vorgestellt werden, entdecken wir solche Gewebeveränderung und können diese fast immer umgehend entfernen und ihnen so eine erneute Behandlung ersparen (sog. Polypektomie mit einer Schlinge). Bei größeren Polypen/Tumoren werden mittels endoskopischer Schleimhautentfernung (Mukosaresektion/EMR) entfernt.

Risikofaktoren bei Polypen/Darmkrebs
Etwa 70 Prozent aller Darmtumoren treten spontan oder sporadisch auf, also ohne eine nach heutigem Stand der Forschung erkennbare Ursache. Man weiß heute, dass die Krebsvorstufen, die Darmpolypen, bereits 10-15 Jahre gewachsen sind, bevor sie zu Darmkrebs entarten.

Bei knapp 30 Prozent aller Darmkrebsfälle liegt eine genetische, familiäre Belastung zu Grunde. Unterschieden wird hierbei zwischen den erblichen Darmkrebsformen (bis 8 Prozent) und der familiären Häufung von Darmkrebs (20 bis 25 Prozent). Eine weitere Risikogruppe für Darmkrebs bilden die Menschen mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn).

Therapie
Darmkrebs ist gut behandelbar und bei etwa 6 von 10 Patienten auch heilbar. Voraussetzung für eine Heilung ist, dass das Krebsgewebe vollständig herausgeschnitten oder auf andere Weise zerstört werden kann. Dies ist am ehesten dann möglich, wenn der Tumor in einem frühen Stadium entdeckt wurde, in dem er noch örtlich begrenzt ist und keine Metastasen gebildet hat.

In einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium dienen die Therapien meist dazu, den Krebs weitestgehend zu entfernen und eine weitere Ausbereitung des Tumors möglichst lange aufzuhalten. Damit kann bei vielen Patienten oft über Jahre ein Leben mit guter Lebensqualität erreicht werden.

In den meisten Fällen von Darmkrebs ist die Operation des Darmtumors ein wichtiger Schritt der Behandlung. Hierbei können wir in Zusammenarbeit mit unseren chirurgischen Kollegen des Hauses den überwiegenden Teil der Tumoren mit der Schlüssellochchirurgie (minimal-invasive Chirurgie) sicher entfernen. Die anschließende, feingewebliche Untersuchung des Tumorgewebes vervollständigt die Diagnose hinsichtlich Krankheitsstadium und Wachstumsverhalten des Tumors. Diese Informationen fließen in die weitere Planung der Krebstherapie ein.

Bei vielen Patienten ist auch die Chemotherapie Teil der Behandlung. Patienten mit Rektumkarzinom erhalten zudem oft eine Bestrahlung. Haben sich bereits Metastasen entwickelt, besteht die Möglichkeit, neben Chemotherapeutika auch sog. zielgerichtete Medikamente einzusetzen.

Aus den Ergebnissen der Untersuchungen leiten wir in unserer interdisziplinären (fachübergreifenden) Tumorkonferenz gemeinsam mit allen an Ihrer Behandlung beteiligten Experten die für den einzelnen Patienten individuell bestmögliche Behandlungsempfehlung ab. An dieser Konferenz beteiligen sich folgende Fachärzte:


•    Gastroenterologen/Internisten (Experten für Erkrankungen von Magen, Darm und Leber)
•    Chirurgen (Viszeral- bzw. Bauchchirurgen)
•    Onkologen (Krebsmediziner)
•    Strahlentherapeuten
•    Pathologen (Spezialisten für feingewebliche Untersuchungen)
•    Radiologen