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Zentrum für Multiple Sklerose

Zentrum für Multiple Sklerose

Die Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste entzündliche Erkrankung des Nervensystems junger Erwachsener in den westlichen Industrieländern und führt ohne Behandlung bei 90 % der Betroffenen zu einer körperlichen Behinderung. Nach 20 Jahren Krankheitsdauer sind  70 % der Betroffenen nicht mehr ohne Hilfe gehfähig. Da die Erkrankung sich bei 50 % der Betroffenen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr manifestiert  und zu einer frühzeitigen Berentung führt, hat die Erkrankung auch eine erhebliche sozialmedizinische Bedeutung.

Die neurologische Abteilung des Jüdischen Krankenhauses Berlin wurde 1995 von der für Gesundheit verantwortlichen Senatsverwaltung neu eingerichtet, um einen Schwerpunkt für die Versorgung von MS-Patienten in Berlin zu schaffen. Seitdem wurden ambulant rund 4.900 MS-Kranke aller Stadien behandelt und in einer Datenbank (MUSIS) kontinuierlich standardisiert dokumentiert.

Unsere Klinik für Neurologie ist ein von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie anerkanntes nationales Referenzzentrum zur Behandlung der Multiplen Sklerose und stellt eine der größten MS-spezifischen Therapieeinrichtungen in Europa dar. Wir haben auch in diesem Jahr das Zertifikat als anerkanntes MS-Zentrum nach den Richtlinien der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft erhalten.

In Ermangelung einer heilenden Therapie sind die gegenwärtigen Hauptziele der Behandlung:

  • die möglichst vollständige Rückbildung schubassoziierter Symptome,
  • die Vorbeugung weiterer Krankheitsschübe,
  • die Unterbindung der Entwicklung eines permanenten Defizits und
  • bei eingetretenen dauerhaften Ausfällen eine Stabilisierung der funktionellen Einschränkung auf möglichst niedriger Beeinträchtigungsstufe.

Die Behandlung unserer Patienten kann erfolgen im Rahmen:

Dabei stehen sämtliche Verfahren zur Diagnosestellung und Differentialdiagnostik sowie alle Eskalationsstufen der symptomatischen und der immunmodulatorischen Therapie zur Verfügung. Seit 2014 kann bei Steroid-refraktärem MS-Schub in der Behandlungseskalation neben der Plasmapherese auch eine Immunadsorption in unserem Haus erfolgen.

Inzwischen besteht in unserem Hause die Möglichkeit, neben der stationären Behandlung auch ambulante MS-Patienten zu versorgen. Dabei ist eine umfassende neurologische Begleitung vor und nach dem stationären Aufenthalt gewährleistet.

Für die weitere ambulante Nachsorge, Hilfs- und Heilmittelversorgung besteht eine Kooperation mit AmbulanzPartner.

Der in unserer Klinik verfolgte Ansatz berücksichtigt nicht nur die Behandlung der Multiplen Sklerose, sondern auch die sozialmedizinische und psychologische Beratung der Patienten. Wir legen großen Wert auf die Behandlung der Symptome, welche die Lebensqualität der Kranken entscheidend beeinflussen.

Für MS-Patienten und deren Angehörige ist eine Beratungsstelle der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft im Hause eingerichtet.

  • die kontinuierliche Betreuung von MS Kranken in allen Phasen der Erkrankung  und Dokumentation zur Evaluation des individuellen und  sozialmedizinischen Nutzen in Kooperation mit dem MS-Register der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
  • die Diagnosestellung unter Beachtung der internationalen Kriterien
  • Verlaufsmodifizierende und symptomatische Therapien entsprechend dem Consensus der deutschsprachigen MS Experten  und der Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
  • die Erkennung drohender Sekundärkomplikationen 
  • die sozialmedizinischen Beratung
  • die Sicherung der Lebensqualität und Teilhabe entsprechend den WHO Kriterien 
  • die Zusammenarbeit mit der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft

Seit 1995 hat die Neurologische Abteilung mehr als 15.000 MS-Fälle stationär versorgt. Schwerpunkt der stationären Behandlungen sind Erstdiagnose, Schubtherapien, Immuntherapien, ambulant nicht behandelbare schwerste Schmerzzustände wie Trigeminusneuralgien, einschießenden Spasmen, Missempfindungen und Sekundärkomplikationen wie Aspirationspneumonien, septische Harnwegsinfekte, Dekubitalulcerosa (Hautwunden durch Aufliegen), Atemstörungen, osteoporotische Frakturen.

Schlafbezogene Atemstörungen werden in unserem Schlaflabor diagnostiziert und gegebenenfalls mit Heimbeatmungsgeräten versorgt.

Die Sicherheit der MS-Patienten beim Einsatz von Infusionstherapien erfordert zunehmend die Notwendigkeit, bei schweren allergischen oder anderen akuten Allgemeinreaktionen intensivmedizinisch intervenieren zu können.

Ein weiterer Schwerpunkt in der symptomatischen Therapie von MS-Kranken in fortgeschrittenen Stadien mit schwerer Spastik ist die Therapie mit Botulinumtoxin. Diese Therapie ist prinzipiell ambulant möglich. Hier besteht eine erhebliche Unterversorgung, da Kranke mit hochgradiger Behinderung, überwiegend sogar Bettlägerigkeit nahezu nicht in KV-Ambulanzen versorgt werden können, da hier allein schon die notwendigen räumlichen Gegebenheiten und technischen Hilfsmittel zur Lagerung fehlen.

Aufgrund der langfristigen Betreuung der Mehrzahl der Patienten  können die stationären Aufenthalte so kurz wie möglich gehalten werden – die Liegezeit der MS-Patienten beträgt derzeit im Durchschnitt weniger als 4 Tage.   

Um den MS-Patienten so lang wie möglich am aktiven Leben teilhaben zu lassen, bedarf es einer multidisziplinären Betreuung durch erfahrene Ärzte. Die Koordination der multidisziplinären Versorgung der MS-Patienten durch die niedergelassenen Kollegen ist in der Umgebung unseres Hauses insbesondere mit neuen, innovativen Präparaten, teilweise aber auch in der Basistherapie nur bedingt gegeben. Aus diesen Gründen, aber auch in Anbetracht der hohen potentiellen Kosten und Folgekosten, die die MS verursacht, ist eine Versorgung dieser Patienten aus einer Hand in unserem ambulanten Sektor des Krankenhauses unerlässlich.

Prof. Dr. med. Judith Haas

Ärztliche Leiterin
Prof. Dr. med. Judith Haas
Fachärztin für Neurologie

Sekretariat
Tel.: 030 4994-2348
Fax: 030 4994-2982
E-Mail: Sekretariat-MS@jkb-online.de

Chefarzt
PD Dr. med. Gerhard Jan Jungehülsing
Facharzt für Neurologie,
Zusatzbezeichnungen Neurologische Intensivmedizin und Geriatrie

Sekretariat
Melanie Krüger
Tel.: 030 4994-2388
Fax: 030 4994-2389
E-Mail: sekretariat-neurologie@jkb-online.de